Integrierte Planungswerkzeuge

Planung, Anpassung und Betrieb urbaner Wassersysteme stellen auf Grund ihrer Komplexität besondere Problemstellungen dar. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die Herausforderungen zukünftig zu erwartender Veränderungen, z. B. durch Klimawandel und Bevölkerungsentwicklungen. Im Themenfeld „Integrierte Planungswerkzeuge“ liefert das ifak, in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Partnern vor Ort, Unterstützung durch Entwicklung, Anpassung und Anwendung von Simulationswerkzeugen.

Diese ermöglichen es, die komplexen Zusammenhänge und Interaktionen innerhalb der jeweiligen Systeme zu simulieren und übersichtlich darzustellen. Neben der Rolle der Simulationsergebnisse für ihre Anwendung in partizipativen Entscheidungsprozessen, trägt bereits die Modellbildung zu einem erhöhten integralem Systemverständnis, zu dem die Einbeziehung technisch-naturwissenschaftlicher, aber auch wirtschaftlicher und sozialer Aspekte gehört, auf Seiten der Entscheidungsträger und Interessengruppen bei.

Event, 16. April 2013 in Lima

Beispielsweise wurde in einer engen, interdisziplinären Zusammenarbeit mit Ingenieuren, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlern und dem Wasserunternehmen in Lima/Peru (SEDAPAL) sowie weiterer beteiligter peruanischer Partner ein Satz konsistenter Zukunftsszenarien für den Wassersektor Limas entwickelt. Diese wurden mit einem eigens entwickelten Simulator, der auf den Prinzipien der Stoffstromanalyse basiert, bewertet. Die Live-Anwendung des Simulators in Runden Tischen mit Einbeziehung der unterschiedlichen Interessengruppen erlauben die Diskussion und Entscheidungsfindung bezüglich der Auswahl von Maßnahmenpaketen, um die Metropolregion Lima auf die Herausforderungen des Klimawandels vorzubereiten. Die Unterzeichnung eines entsprechenden Aktionsplans im April 2013 in Lima durch ranghohe Vertreter von Wasserunternehmen, Wasserbehörde, Stadtverwaltung und Nichtregierungsorganisationen illustriert, dass die am ifak durchgeführten Arbeiten bis hin in die politische Entscheidungsfindung und die Anwendung in der Praxis hinausstrahlen. Im 2014 neu begonnenen Projekt "Rapid Planning" werden Modellierungskonzepte für die transsektorale Betrachtung und strategische Vorplanung der Infrastruktursysteme Wasser, Abwasser, Energie, Abfall, urbanes Nahrungssysteme entwickelt und angewendet.

Auf ähnliche Weise wird der in Entwicklung befindliche NASS-Simulator es erlauben, neuartige Sanitärsysteme hinsichtlich ihrer Nährstoffpotenziale, aber auch hinsichtlich ihrer Invest- und Betriebsaufwendungen, fallspezifisch zu simulieren und zu bewerten. In einer weiteren Kooperation mit dem wasserarmen Land Israel wurden Auswirkungen von Grauwasserwiederverwendung auf Kanalnetz und Kläranlage untersucht und somit Hilfestellung bei Planung, aber auch der Anwendung von Grauwasserwiederverwendungssystemen geleistet.

Allgemein gesprochen stellen die Kompetenz des ifak sowohl in urbanen Wassersystemen als auch in Methoden und Hilfsmitteln der mathematischen Modellbildung und der Informatik sicher, dass praxisgerechte integrierte Planungswerkzeuge entstehen, die ihren Weg in die Anwendung – nicht nur im Wassersektor, sondern auch in anderen Infrastruktursektoren - finden.